Großglockner
Großglockner
3798m
Schon bei meinem ersten Besuch in Kals faszinierte mich der Großglockner. Als damals kleiner Junge blieb es allerdings nur beim Bestaunen aus der Ferne. 3 Jahre später war ich dann das zweite mal dort, bewanderte in den ersten 2 Wochen meines Aufenthalts sämtliche Berghütten und hegte den immer größer werdenden Wunsch den Großglockner zu besteigen. Ich war sehr erstaunt als mein Vater einen Bergführer bat uns in den darauf folgenden Tagen auf den Gipfel zu bringen. Ein Tag vor unserem Aufbruch bekam mein Vater eine schwere Angina, die Tour schien zu platzen. Ich redete stundenlang, flehte ihn an mich alleine gehen zu lassen. Und tatsächlich stimmte er schließlich zu. Am früher Nachmittag startete unsere Seilschaft, bestehend aus dem erfahrenen Bergführer Michael Holzen und einem unbekümmerten Jungen.
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Wir starteten am frühen Nachmittag von der Stüdlhütte aus über den 3 Kilometerlangen Eisgletscher, über den Grad hinauf zur Adlersruhe, einer Berghütte in 3300m Höhe. Hier übernachteten wir um am folgenden Morgen den letzten, schwierigsten Teil anzugehen. Es war 8 Uhr in der Früh als wir die Steigeisen unter unsere Schuhe schnürten, uns anseilten und losgingen. Bereits nach einigen hundert Meter begann der Anstieg, bei jedem Schritt bohrte ich meinen Eispickel tief in den Schnee. Heute ist es mir ein Rätsel, ich hatte damals nicht einen Moment Angst während der gesamten Tour. 1,5 Stunden später war der Kleinglockner erreicht, von ihm aus geht es über eine ca 10meter langen aber nur 30 cm breiten Scharte hinüber zum Großglockner. An beiden Seiten geht es dabei mehrere hundert Meter senkrecht in die Tiefe, ein Sturz an dieser Stelle bedeutet mit Sicherheit den Tod. Zum Glück lag der Berg noch fast komplett im Nebel sodass der Blick in die Tiefe verwährt blieb. Mein Bergführer Michael ging zuerst hinüber, sicherte sich und gab mir dann das Zeichen nachzukommen. Nun ging es noch einige Meter steil bergauf und dann stand es vor mir - das Gipfelkreuz. Es war 10 Uhr als ich mich in das Gipfelbuch eintrug, es durchblätterte und die Namen und Geburtsdaten der Vorbesteiger las. Voller Stolz nahm ich zur Kenntnis das ich bis dato der zweitjüngste auf dem Gipfel war!
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Michael
Holzen |
Der Himmel klarte auf, der Blick reichte nun bis nach Italien. Allerdings sah man nun auch die gähnende Tiefe links und rechts, heute der Moment an dem ich spätestens mit der Angst zu tun bekäme. Wir machten noch ein paar Bilder und traten 30 Minuten später den Abstieg an. Nun ging ich voran, ich sei nun der Bergführer scherzte Michael. Der Abstieg verlief auch reibungslos und nach kurzem Zwischenstop an der Adlersruhe erreichten wir gegen 15 Uhr wieder die Stüdlhütte. Hier trennten wir uns, ich dankte Michael für die tolle Führung. Er schrieb mir eine Widmung auf eine Postkarte, die zwar leider im völlig durchnässten Rucksack verschmierte, ich jedoch nie vergessen habe:
Nordwand
" 12 August , den Großglockner bestiegen,
so einen Bub hab ich in meiner Laufbahn als Bergführer noch nicht erlebt.
Alles Gute, Bergf. Michael Holzen."
Ich trat den weiteren Abstieg, der aus einer 3 stündigen Bergwanderung bestand, an und erreichte freudig empfangen unsere Bergpension. Erst Tage, wenn nicht Wochen später realisierte ich so richtig das mein Wunsch sich erfüllt hatte.
Schmerzlich erfuhr ich 2 Jahre später das mein Bergführer auf der gleichen Route tödlich abgestürzt war, mir und wohl auch meinem Vater wurde klar wie gefährlich die Tour tatsächlich gewesen war.
